Sonntag, 05.09.2010   

Diagnose Alzheimer - und dann?

Elemente der Therapie

Internistische Basistherapie zur Stabilisierung des allgemeinen Gesundheitszustandes
Medikamentöse Behandlung mit antidemenziellen Arzneimitteln zur gezielten Behandlung der Demenz und Aufrechterhaltung der geistigen Fähigkeiten (Antidementiva)
Medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka zur Stabilisierung der psychischen Verfassung und Stimmungslage
Training der verbliebenen Fähig keiten (Alltagskompetenz, Hirnleistungstraining, Bewegungstraining)
Psychotherapeutische Maßnahmen (Verhaltenstraining)
|Ganzheitlicher Therapieansatz|

Sobald die Diagnose gestellt ist, sollte der Arzt einen individuellen Behandlungsplan ausarbeiten. Ziel der therapeutischen Maßnahmen ist, den Gesundheitszustand möglichst lange stabil zu halten, den Krankheitsverlauf zu verzögern, die Selbstbestimmung und Selbstständigkeit der Lebensführung mit allen Mitteln zu fördern und die Würde und Lebensqualität des Patienten auch im Spätstadium durch Aktivierung und Förderung verbliebener Fähigkeiten zu gewährleisten.

Diese Ziele lassen sich nur mit einem ganzheitlichen Therapieansatz erreichen. Eine moderne Therapie besteht deshalb immer aus mehreren Elementen: der medikamentösen Behandlung sowie begleitenden Maßnahmen zum Erhalt der geistigen Fähigkeiten.

Medikamentöse Behandlung

Die genaue Ursache einer Alzheimer-Erkrankung ist derzeit noch nicht bekannt und kann daher auch nicht behandelt werden – wohl aber die Symptome. Dabei unterscheidet man zwischen Medikamenten, die das Denkvermögen, die Stimmung oder das Verhalten beeinfl ussen.

|Verbesserung der Leistungsfähigkeit|
Viele Alzheimer-Patienten können durch die Einnahme von antidemenziellen Arzneimitteln (Antidementiva) wieder alltägliche Aufgaben bewältigen und aktiv am Leben teilhaben.

Medikamente, die zur Aufrechterhaltung der geistigen Fähigkeiten eingesetzt werden, bezeichnet man als Antidementiva. Antidementiva zeigen umso mehr Wirkung, je früher mit der Behandlung begonnen wird. Aber auch bei Patienten, die sich zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits in einem fortgeschrittenen oder schweren Stadium der Erkrankung befinden, ist die richtige medikamentöse Therapie ganz wesentlich, um die Lebensqualität des Kranken zu erhalten und die Pflegesituation zu erleichtern.

|Psychopharmaka zur Behandlung der Begleitsymptome|
  • Antidepressiva: zur Stimmungsaufhellung, gegen grundlose Traurigkeit
  • Neuroleptika: gegen Unruhe, Reizbarkeit, Wahnvorstellungen
  • Anxiolytika: gegen Angstzustände
  • Sedativa: bei Schlafstörungen

Man weiß, dass die Alzheimer-Demenz mit einer irreparablen Schädigung und Zerstörung von Nervenzellen einhergeht und dass die Reizübertragung zwischen den Nervenzellen durch Eiweißablagerungen gestört ist. Moderne antidementive Medikamente stabilisieren das Zusammenspiel und die Reizübertragung zwischen den Nervenzellen.

Zuständig für die Informationsverarbeitung und -weiterleitung zwischen den Nervenzellen sind spezielle Botenstoffe. Eine besonders wichtige Rolle spielen dabei die Botenstoffe Glutamat und Acetylcholin. Ein Mangel an Acetylcholin ist dafür verantwortlich, dass Informationen zwischen den Nervenzellen nicht mehr richtig übertragen werden, ein Zuviel an Glutamat schädigt die Nervenzellen derartig, dass sie zugrunde gehen. Die zurzeit in der Therapie der Alzheimer-Demenz eingesetzten Medikamente beeinfl ussen das Ungleichgewicht der Neurotransmitter. Sie können im Wesentlichen der Gruppe der sogenannten Acetylcholinesterasehemmer oder der Gruppe der NMDA-Rezeptorantagonisten (das sind jene Substanzen, die die schädigende Wirkung des Glutamats auf die Nervenzelle blockieren) zugeordnet werden. Darüber hinaus gibt es Substanzen, die den Stoffwechsel und die Sauerstoffversorgung des Gehirns verbessern sollen.

Die Alzheimer-Erkrankung beeinflusst nicht nur das Denkund Lernvermögen und die alltäglichen Fähigkeiten, sondern führt auch zu Störungen im Gefühlsleben und im Verhalten. Abhängig vom Stadium der Erkrankung und den akuten Verhaltensauffälligkeiten des Patienten ist deshalb eine medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka sinnvoll.

Es stehen verschiedene Arzneimittel zur Verfügung, mit denen sich die niedergeschlagene Stimmung sowie Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Unruhe, Aggressivität, Schlafstörungen und Angstzustände behandeln lassen.

Diese Medikamente dienen keinesfalls dazu, den Patienten im negativen Sinne „ruhigzustellen“. Sie sollen vielmehr sein Wohlbefinden, sein Selbstwertgefühl und seine Lebensqualität verbessern, indem sie ihm beispielsweise aus akuten Stimmungstiefs oder Verwirrtheitszuständen heraushelfen. Von einer Dauermedikation mit diesen Präparaten wird dringend abgeraten. Außerdem sollen sie keinesfalls ohne den Rat und die Kontrolle des behandelnden Arztes eingesetzt werden.

Quelle: verifiziert nach Johannes M. Fox, Handbuch der Arzneimitteltherapie, Thieme Verlag, 2001

 

Nichtmedikamentöse Behandlung

|Nach der Diagnose|
Die Auseinandersetzung mit der Erkrankung und der offene Austausch mit den nahestehenden Angehörigen über die Möglichkeiten der Versorgung machen es allen Beteiligten leichter, die schwierige Situation zu bewältigen.

Obwohl Medikamente zweifellos von elementarer Bedeutung für die Behandlung von Alzheimer-Patienten sind, dürfen sie nicht die einzige Unterstützung sein, die Betroffene erhalten. Das Angebot ist vielfältig und reicht vom Alltagstraining über Musik- und Kunsttherapie bis hin zum Gedächtnistraining. Ziel der unter dem Begriff „aktivierende Pflege“ zusammengefassten Maßnahmen ist es, ganz individuell die verbliebenen Fähigkeiten zu fördern und Defizite zu mindern.

Wichtig dabei ist es, den Kranken nicht zu überfordern. Einfache Tätigkeiten im Haushalt, beispielsweise das gemeinsame Tischdecken, geben dem Patienten das Gefühl, noch etwas zu leisten, und stärken das Selbstwertgefühl. Grundsätzlich sollten pflegende Angehörige erst dann Tätigkeiten übernehmen, wenn der Kranke sie gar nicht mehr selbstständig ausführen kann. Außerdem sollten die Patienten nicht mit ihren Fehlern konfrontiert, sondern vielmehr für ihr Bemühen gelobt werden. Wenig hilfreich ist es, Demenzkranke mit schulmeisterlichen Testfragen wie „Welcher Tag ist heute?“, „Wo wohnst du?“ und Ähnlichem zu quälen. Übungsaufgaben und Rätsel wie das Gehirnjogging sind nur dann sinnvoll, wenn der Erkrankte sie noch bewältigen kann und es ihm Spaß macht.

Selbstbestimmt vorsorgen

Wurde die Diagnose Alzheimer gestellt, gibt es viele Fragen, die auf Betroffene und Angehörige einstürmen. Jetzt ist es wichtig, Vorkehrungen für die Zukunft zutreffen. Je eher die Betroffenen damit beginnen, desto mehr Einfluss können sie selbst auf notwendige Entscheidungen nehmen. Sind alle wichtigen Angelegenheiten geregelt und mögliche Probleme klar und deutlich ausgesprochen sind, lässt sich das gemeinsame Leben stressfreier gestalten.

Nach der Diagnose

Allgemeine Vorsorgemaßnahmen

  • Bringen Sie finanzielle und persönliche Angelegenheiten in Ordnung.
  • Regeln Sie rechtliche Aspekte, wie z. B. Patientenverfügungen, Gesundheitsvollmacht, Vorsorgevollmacht, und verfassen Sie ein Testament.
  • Überprüfen Sie Ihre Versicherungen.
  • Organisieren Sie frühzeitig notwendige Pflege und stellen Sie rechtzeitig einen Antrag auf Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung.

Information der Beteiligten

  • Holen Sie detaillierte Informationen über die Erkrankung, den möglichen Verlauf und die Therapien ein. Je mehr Sie darüber wissen, umso besser können Sie sich auf die Situation einstellen.
  • Informieren Sie Ihr soziales Umfeld über die Situation, damit Sie auch von dieser Seite mit Verständnis rechnen und gegebenenfalls Unterstützung einfordern können.
  • Bauen Sie Kontakt zu Selbsthilfegruppen auf.
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