Mittwoch, 18.10.2017   

Pflege von Alzheimer-Patienten

Praktisches

Zumeist ist es weder erforderlich noch sinnvoll, die Wohnung zu verändern. Die Umgebung des Kranken sollte für ihn so vertraut wie möglich bleiben, damit er sich darin zurechtfinden kann. Zusätzlich können Bilder oder Fotografien (keine Schrifttafeln) das Wiederfinden erleichtern.

Sicherheitsmaßnahmen

Treten im Laufe der Alzheimer-Erkrankung Bewegungs- und Koordinationsstörungen auf, sollten möglichst alle potenziellen Unfallquellen beseitigt werden:

  • Möbel und Gegenstände, die im Weg stehen oder scharfe Kanten haben, sollten weggeräumt werden
  • Fußbodenbeläge müssen unbedingt stolpersicher und rutschfest sein
  • Die Schlüssel sollten von Türen abgezogen werden, damit der Kranke sich nicht einschließt

Relativ früh im Krankheitsverlauf kommt es zu Riech- und Geschmacksstörungen. Später können Demenzkranke oftmals weder angenehme noch unangenehme Gerüche wahrnehmen. Man sollte daher alle giftigen Flüssigkeiten, wie zum Beispiel Reinigungsmittel, wegschließen.

Auch bei schmerzhaften Berührungen, wie einem Schnitt mit dem Messer oder dem Verbrühen mit heißen Flüssigkeiten, werden die Schmerzen vom Demenzkranken zwar wahrgenommen, jedoch wird weder die Bedeutung (Gefahr) erkannt noch erfolgt eine Gegenreaktion (beispielsweise Wegziehen der Hand). Daher sollten gefährliche elektrische Geräte weggeschlossen werden. Der Einbau von Thermostaten an den Wasserhähnen verhindert Verbrühungen.

Wohnraumveränderungen

Nach der Diagnose:

Sicherheitsmaßnahmen/Wohnungsanpassung

  • Türen und Fenster sichern
  • Schlüssel entfernen
  • Heißwasser automatisch regulieren, elektrische Geräte (Herd) sichern
  • Berrieren und Stolperstellen entfernen (u.U. Treppe sichern)
  • Haltegriffe (Bad) montieren
  • Für ausreichende Helligkeit sorgen

Wird der Erkrankte weiterhin zu Hause gepflegt, sollte die Wohnung und die Einrichtung so gestaltet werden, dass die Pflege möglichst unproblematisch erfolgen kann. Beispielsweise sollten in Bad und Toilette entsprechende Veränderungen vorgenommen werden: Haltegriffe, erhöhte Toilettensitze, ein Sitz in der Dusche und Ähnliches. Solche und andere wohnumfeldverbessernde Maßnahmen werden von den Pflegekassen mit maximal 2557 Euro bezuschusst.

Hilfe annehmen

Wenn mit Fortschreiten der Erkrankung die Fähigkeiten und Kapazitäten des Patienten nachlassen, wächst der Pflegeaufwand. Vor allem im späten Krankheitsstadium, wenn der Patient kaum noch Anteil an seiner Umgebung nimmt, orientierungslos ist, Situationen und Menschen nicht mehr erkennt, ist er in allen Lebensbereichen, mehr oder weniger rund um die Uhr, auf Hilfe angewiesen.

Unterstützung bei der Pflege

Die pflegenden Angehörigen werden immer häufiger an ihre Grenzen stoßen – sowohl emotional als auch körperlich. Spätestens jetzt ist eine gesunde Portion Egoismus gefragt, denn keinem hilft es weiter, wenn Sie sich für die Pflege völlig aufreiben und jegliche persönlichen Interessen und Bedürfnisse zurückstellen. Nehmen Sie Hilfe in Anspruch und verteilen Sie die Last der Pflege auf mehrere Schultern.

|Privates Netzwerk|
Erstellen Sie gemeinsam mit allen Beteiligten einen Pflege- und Betreuungsplan, der jedem Helfer Freiräume ermöglicht.

Hilfreich ist es, bereits zu Beginn der Erkrankung ein Netzwerk aus Familienmitgliedern und Freunden aufzubauen, die über die Situation und den zu erwartenden Krankheitsverlauf informiert sind und Sie auf ganz unterschiedliche Weise unterstützen können: Der Enkel, der regelmäßig den Kranken zu einem Spaziergang abholt, die Freundin, die ein Mal in der Woche für die ganze Familie kocht, oder der Nachbar, der hin und wieder die Einkäufe erledigt. Erstellen Sie am besten gemeinsam mit allen Beteiligten einen Pflege- und Betreuungsplan, der jedem Helfer Freiräume ermöglicht.

Wenn Sie nicht auf ein privates Netzwerk an Helfern zurückgreifen können, sollten Sie sich nicht scheuen, sich an die Wohlfahrtsverbände Ihrer Gemeinde zu wenden. In vielen Organisationen, beispielsweise dem Deutschen Roten Kreuz, dem Caritasverband, dem Diakonischen Werk oder Kirchengemeinden, bieten ehrenamtliche Mitarbeiter Hilfeleistungen und Besuchsdienste für Pflegebedürftige an. Darüber hinaus bekommen Sie sachkundige Unterstützung bei Selbsthilfe- und Angehörigengruppen von Alzheimer-Organisationen. Dort können Sie nicht nur wichtige Ratschläge und Informationen einholen, sondern sich mit anderen Betroffenen über die besonderen Probleme der Betreuung austauschen und sich gegenseitig helfen.

Im fortgeschrittenen Stadium der Alzheimer-Erkrankung werden Sie die Pflege und Betreuung kaum ohne professionelle Hilfe leisten können. Erkundigen Sie sich, bevor der Ernstfall eintritt, nach den Möglichkeiten einer ambulanten Pflege und der Tages- und Kurzzeitpflege in Pflegezentren in Ihrer Umgebung. Außerdem sollten Sie sich auch mit dem Gedanken der Heimunterbringung so früh wie möglich vertraut machen und ein geeignetes Pflegeheim auswählen.

Rechtliches

|Pflegekosten|
Zur häuslichen Pflege von Demenzkranken können Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden.

Zur häuslichen Pflege von Demenzkranken können Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden. Diese Leistungen gibt es nur auf Antrag bei der Pflegekasse. Da sie erst ab dem Zeitpunkt der Antragstellung an, nicht aber rückwirkend gewährt werden, sollte der Antrag gestellt werden, sobald die Pflegebedürftigkeit eingetreten oder vorherzusehen ist. Der Umfang dieser Leistungen ist davon abhängig, wie intensiv der Pflegebedürftige bei der Körperpflege, der Ernährung und im Bereich der Mobilität beziehungsweise hauswirtschaftlichen Versorgung auf Hilfe angewiesen ist.

Das Maß der Hilfsbedürftigkeit reicht dabei laut den gesetzlichen Bestimmungen von „erheblich pflegebedürftig“ (Stufe 1) bis „schwerst pflegebedürftig“ (Stufe 3). Die Feststellung, ob und in welchem Umfang eine Pflegebedürftigkeit vorliegt, trifft die Pflegekasse nach einer entsprechenden Untersuchung des Pflegebedürftigen in dessen Wohnbereich durch Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK).

Das Pflegegesetz unterscheidet bei den Leistungen im Rahmen der häuslichen Pflege zwischen Geld- und Sachleistungen. Zu den Sachleistungen zählen insbesondere Pflegebesuche durch Sozialstationen und private ambulante Pflegedienste. Sie werden je nach Pflegestufe mit monatlich 384 Euro bis 1.432 Euro, in Härtefällen sogar bis zu 1.918 Euro je Kalendermonat vergütet. Wird die Pflegeleistung von Angehörigen oder selbst beschafften Pflegehelfern übernommen, zahlt die Kasse ein Pflegegeld. Es liegt, abhängig von der Pflegestufe, zwischen 205 Euro und 665 Euro. Der Versicherte kann selbst entscheiden, welche Leistungsart er in Anspruch nimmt. In manchen Fällen ist auch eine Kombination aus Geld- und Sachleistungen sinnvoll. Darüber hinaus hat der Versicherte Anspruch auf die Versorgung mit Pflegehilfsmitteln sowie technischen Hilfen, sofern diese die Pflege erleichtern, eine selbstständigere Lebensführung des Erkrankten ermöglichen oder zur Linderung seiner Beschwerden beitragen. Zu den technischen Hilfsmitteln gehören beispielsweise Rollstuhl, Pflegebett oder spezielle Patientenlifte. Hier entscheiden die Pflegekassen im Einzelfall nach einer gesonderten Begutachtung, ob die Mittel notwendig sind. Gleiches gilt für die Bewilligung finanzieller Zuschüsse für Maßnahmen, die zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes beitragen.

   nach oben