Mittwoch, 18.10.2017   

Pflege von Alzheimer-Patienten

Körperpflege und äußeres Erscheinungsbild

|Aktivierende Pflege|
Der Patient sollte sich so lange wie möglich selber pflegen. Das fördert nicht allein seine Selbstständigkeit, sondern ist zur Aufrechterhaltung seines Selbstwertgefühls von großer Bedeutung.

Bei der Körperpflege sollten Sie sich ganz besonders an die Regel der „aktivierenden Pflege“ halten. Der Patient sollte sich so lange wie möglich selber waschen, seine Zähne, Haut, Haare und Nägel pflegen und sich anziehen. Das fördert nicht allein seine Selbstständigkeit, sondern ist zur Aufrechterhaltung seines Selbstwertgefühls von großer Bedeutung. Beginnt der Kranke, seine Körperpflege zu vernachlässigen, sollten Sie ihn zunächst daran erinnern und ihm beispielsweise seine Waschutensilien bereitlegen. Später kann es hilfreich sein, wenn der Patient sich unter Ihrer Anleitung selber wäscht.

Nehmen Sie unbedingt Rücksicht auf die Intimsphäre und die Würde des Demenz-Kranken. Möglicherweise ist es ihm unangenehm, sich vor einem Angehörigen zu waschen oder sich von ihm waschen zu lassen. Vielleicht empfindet er weniger Scham vor einer professionellen Pflegekraft. In diesem Fall wäre es sinnvoll, sich von häuslichen Pflegeeinrichtungen Unterstützung zu holen.

Wie bei der Körperpflege gilt auch bei der Kleidung: Ein gepflegtes Äußeres beeinflusst das Wohlbefinden des Patienten positiv. Das selbstständige Ankleiden wird jedoch zunehmend schwer fallen. Sie helfen dem Kranken am besten, wenn Sie ihm die Kleidungsstücke in der richtigen Reihenfolge zurechtlegen. Kleidung mit komplizierten Verschlüssen wie kleinen Knöpfen, Haken oder Gürtelschnallen lässt sich durch Kleidung mit Klett- und Reißverschlüssen ersetzen, Schuhe mit Schnürsenkeln durch Slipper oder Schuhe mit Klettbändern. Wichtig ist jedoch auch, dass sich der Patient in seiner Garderobe wohl fühlt und diese nicht als Verkleidung empfindet.

Ernährung

|Finger Food|
Kommt der Patient nicht mehr mit Besteck zurecht, ist es sinnvoll, Speisen auszuwählen, die man mit den Fingern essen kann.

Essen und Trinken kann zunehmend zu einem Problem werden. Zum einen leiden viele Patienten an Appetitlosigkeit, haben einen gestörten Geschmackssinn, vergessen, Mahlzeiten einzunehmen oder die Nahrung zu kauen. Zum anderen wird der Vorgang des Essens an sich, die Handhabung des Bestecks und des Geschirrs, immer schwerer fallen. Anfangs lassen sich die Schwierigkeiten durch kleine Hilfestellungen beheben. Servieren Sie das Essen stets zu festen Terminen und richten Sie es auf unzerbrechlichem Geschirr an. Wird die Nahrung in mundgerechten Stückchen angeboten, ist meist kein Messer erforderlich und statt einer Gabel kann ein Löffel verwendet werden. Kommt der Patient gar nicht mehr mit Besteck zurecht, ist es sinnvoll, Speisen auszuwählen, die man mit den Fingern essen kann. Tischmanieren sollten dabei keine Rolle mehr spielen, denn auch hier ist es wichtig, dass der Patient so lange wie möglich aus eigener Kraft agieren kann.

Viele Patienten haben Schwierigkeiten mit dem Schlucken. Für sie sollte man die Nahrung pürieren. Achten Sie beim Essen darauf, dass der Nahrungsbrei auch wirklich heruntergeschluckt wird. In einem bestimmten Krankheitsstadium wird es notwendig sein, den Patienten zu füttern.

Achten Sie darauf, dass der Patient ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt. Mangelndes Durstgefühl führt dazu, dass viele Alzheimer-Kranke das Trinken vergessen. Um nicht das Risiko eines Flüssigkeitsmangels, einzugehen, sollte der Patient 1,5 bis 2 Liter am Tag, das sind etwa acht Gläser oder Tassen, trinken. Am besten geeignet sind Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetees verdünnte Fruchtsäfte oder Milchgetränke. Hat der Kranke Appetit auf ein Glas Bier, Wein oder auch eine Tasse Kaffee, spricht auch nichts gegen diese Getränke. Heiße Getränke sollten allerdings nicht zu heiß sein, da die Gefahr besteht, dass sich der Kranke verbrüht.

Bewegungsstörungen

Beeinträchtigungen der Bewegungsabläufe und nachlassende motorische Fähigkeiten sind häufige Begleiterscheinungen im Alter. Bei Alzheimer-Kranken tritt mitunter jedoch nicht allein eine altersbedingte Einschränkung der Beweglichkeit auf. Ein schlurfender, gebeugter, unsicherer Gang, plötzliche Änderungen in der Körperhaltung, Probleme mit der Koordination oder Zittern sind typische Bewegungsstörungen im fortgeschrittenen Stadium der Alzheimer-Demenz.

|Körpersprache|
Ein schlurfender, gebeugter, unsicherer Gang, plötzliche Änderungen in der Körperhaltung, Probleme mit der Koordination oder Zittern sind typische Bewegungsstörungen im fortgeschrittenen Stadium der Alzheimer-Demenz.

Durch regelmäßige leichte gymnastische Übungen und Spaziergänge sowie durch körperliche Tätigkeiten, dazu gehören beispielsweise einfache Hausarbeiten wie Wäschefalten oder Staubwischen, kann die Beweglichkeit länger aufrechterhalten werden. Zudem stärkt dies das Selbstwertgefühl. Wichtig ist, dass Sie dafür sorgen, dass der Patient die Übungen und Aufgaben selbstständig durchführen kann. Beenden Sie das Training bei ersten Anzeichen von Ermüdung und Überforderung, da ein Versagen Frustration und Depressionen auslösen kann.

Sonstige Gesundheitsstörungen

Mit Fortentwicklung der Erkrankung treten zunehmend körperliche und medizinische Probleme auf. Dazu gehören unter anderem Verstopfung und auch Inkontinenz (unkontrollierter Abgang von Harn und/oder Stuhl), beides Beschwerden, die bei einigen Betroffenen ein Tabuthema berühren. Insbesondere die Inkontinenz verursacht Scham und wird als Erniedrigung empfunden. Umso wichtiger ist es, dass die Betreuer möglichst sachlich damit umgehen.

Beobachten Sie den Patienten sorgfältig, seine Körpersprache weist mitunter darauf hin, dass er auf die Toilette muss. Schaffen Sie einen gleich bleibenden Tagesrhythmus mit festgelegten Mahl- und Trinkzeiten und erinnern Sie gegebenenfalls den Kranken ebenso regelmäßig daran, die Toilette aufzusuchen. In der Stunde vor dem Zubettgehen sollten Sie die Flüssigkeitszufuhr begrenzen. Selbstverständlich muss die Toilette problemlos zu erreichen sein, das heißt: Sorgen Sie dafür, dass der Weg dorthin barrierefrei und gut beleuchtet ist und sich die Kleidung leicht öffnen und verschließen lässt.

Wird Inkontinenz zu einem regelmäßigen Problem, sollten Sie über die Verwendung von Inkontinenz-Einlagen und Matratzenabdeckungen nachdenken.

Unsicherheit, Schwierigkeiten beim Treppensteigen, das Umstoßen von Gegenständen sowie Verständnisprobleme oder Teilnahmslosigkeit werden nicht selten durch körperliche Schwächen wie Sehstörungen oder Hörprobleme verstärkt. Lassen Sie deshalb das Seh- und Hörvermögen des Kranken regelmäßig durch einen Arzt untersuchen. Sehhilfen und Hörgeräte können die Lebensqualität und Selbstständigkeit verbessern.

Da im Zuge der Erkrankung das Schmerzempfinden des Demenz-Kranken nachlässt beziehungsweise er keine Schmerzen mitteilt, sollte man Hinweisen wie Schonhaltungen und Abwehreaktionen oder auch Appetitlosigkeit nachgehen und einen Arzt zu Rate ziehen.

Darüber hinaus sind regelmäßige medizinische Untersuchungen unumgänglich, bei denen die üblichen Altersbeschwerden wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck oder Osteoporose abgeklärt werden. Der Arzt wird ebenfalls den Verlauf der Demenz kontrollieren und die erforderliche antidementielle Therapie dem Krankheitsverlauf anpassen.

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