Alzheimer erkennen
|Gemeinsam stark sein|
Wurde erst einmal die Krankheit
diagnostiziert, stellt sich oftmals
bei Betroffenen und Angehörigen
Erleichterung ein. Das unsichere
Gefühl, nicht zu wissen, was „los
ist“, fällt von ihnen ab. Gemeinsam
können sie nun lernen, die
Erkrankung als Teil ihres künftigen
Lebens zu akzeptieren.
Keine Zeit verlieren
„Nicht ganz richtig im Kopf zu sein ...“, das will sich niemand
gern eingestehen, weder die Betroffenen selbst noch ihre Angehörigen.
Der Arztbesuch wird deshalb häufig hinausgezögert
und es vergehen meist mehrere Jahre, bis die Diagnose gestellt
wird. Die Alzheimer-Demenz ist dann in der Regel so weit fortgeschritten,
dass die geistigen und damit alltäglichen Defizite
bereits deutlich ausgeprägt sind.
Mit dem Fortschreiten der Erkrankung nimmt die Aufnahmefähigkeit
immer weiter ab und es wird zunehmend schwerer,
Neues zu erlernen. Wer sich jedoch frühzeitig mit seiner Erkrankung
auseinandersetzt und vertraut macht, hat die Chance,
über seine eigene Zukunft und die seiner Familie selbst zu
entscheiden. Doch viel wichtiger ist: Betroffenen und Angehörigen
verbleibt wertvolle Zeit, die sie miteinander verbringen
können.
Hinzu kommt: Je früher Alzheimer-Patienten mit speziellen
medikamentösen Therapien und begleitenden Maßnahmen beginnen, desto länger kann der geistige Verfall verzögert
werden. Die Betroffenen sind im anfänglichen Stadium der
Erkrankung noch in der Lage, persönliche Dinge, aber auch
Angelegenheiten, die ihre weitere Zukunft betreffen, selbstbestimmt
zu regeln.
|Depression oder Demenz?|
Während depressive Patienten
gleichbleibend bedrückt sind, leiden
Alzheimer-Kranke eher
unter Stimmungsschwankungen.
Erste Anzeichen erkennen
Die Alzheimer-Krankheit beginnt schleichend und fast unmerklich:
Zunächst treten leichte Gedächtnisstörungen auf,
die im Verlauf der Erkrankung zunehmen. Hinzu kommen
Orientierungsprobleme, Sprachstörungen sowie der fortschreitende
Verlust von Auffassungsgabe und Urteilsvermögen.
Schließlich können Alzheimer-Patienten selbst einfachste
Tätigkeiten wie das An- und Auskleiden nicht mehr selbstständig
durchführen. Um bereits in einem frühen Stadium
einzugreifen und damit den Krankheitsverlauf zu verzögern,
ist es wichtig, erste Symptome zu erkennen und einordnen zu
können.
Altersvergesslichkeit oder Alzheimer-Demenz?
Umgangssprachlich bezeichnen wir Vergesslichkeit schon einmal mit
„Alzheimer“ oder wir sagen: „Jetzt fängt bei mir schon Alzheimer
an.“ Doch häufig handelt es sich lediglich um eine „normale“ Altersvergesslichkeit.
Anhand einiger weniger Fragen ist es bereits möglich, diese von
einer Alzheimer-Demenz abzugrenzen (siehe Tabelle).
Sind Betroffene und Angehörige bei der Beantwortung einzelner
Fragen jedoch unsicher, sollten sie umgehend einen
Arzt aufsuchen.
Spricht für Altersvergesslichkeit
|
Spricht für Alzheimer-Demenz
|
| Vergesslichkeit tritt nur vorübergehend auf |
Die Vergesslichkeit dauert an und wird sogar zunehmend schlimmer |
| Das Verlegen oder Vergessen von alltäglichen Gegenständen,
wie z. B. Brille oder Geldbörse, tritt nur gelegentlich
auf |
Das Verlegen und Vergessen, insbesondere von wichtigen Gegenständen,
wie z. B. Geldbörse, Ausweis oder Schlüssel, häuft
sich |
| Denkt der Betroffene intensiv nach, fällt ihm das Vergessene
meist wieder ein |
Der Betroffene vergisst ganze Erlebnisse und kann sich trotz
intensiven Nachdenkens auch später nicht daran erinnern |
| Der Betroffene weiß sich durch bestimmte Merkhilfen,
wie z. B. einen Notizzettel, zu helfen |
Selbst Notizzettel und andere Merkhilfen nützen nicht
mehr |
| Der Betroffene kann mündlichen oder schriftlichen Anweisungen
folgen |
Der Betroffene kann mündlichen oder schriftlichen Anweisungen
nicht folgen |
| Der Betroffene hält seine sozialen Kontakte aufrecht |
Häufig ziehen sich die Betroffenen aus ihrem sozialen
Umfeld zurück |
Steckt dahinter eine Depression?
Da auch bei Depressionen häufi g die geistige Leistungsfähigkeit
der Betroffenen herabgesetzt ist, können sie leicht mit
einer Alzheimer-Demenz verwechselt werden. Ärzte sprechen
deshalb auch von einer Pseudo-Demenz. Im Unterschied zu
Alzheimer-Kranken können sich depressive Patienten allerdings
meist genau an den Beginn ihrer Symptome erinnern.
Zudem beklagen sie ihre Leistungsdefi zite eher in übertriebener
Weise, anstatt sie herunterzuspielen.
Frühe Symptome einer Alzheimer-Demenz
Erste Anzeichen einer Alzheimer-Demenz sind von Patient zu
Patient mitunter sehr unterschiedlich, da die Erkrankung von
verschiedenen Regionen des Gehirns ausgehen kann. Dennoch
gibt es eine Reihe charakteristischer Warnsymptome, bei
denen Angehörige aufmerksam werden sollten.
Dauerhafte und fortschreitende Gedächtnislücken:
Jeder hat mit zunehmendem Alter hin und wieder Gedächtnislücken.
Häufen sich diese Vorfälle und treten außerdem unerklärliche Verwirrtheitszustände
auf, kann dies ein Zeichen für eine Verminderung der Gedächtnisleistung
sein.
-
Schwierigkeiten mit gewohnten Handlungen: Menschen, die viel
zu tun haben, sind manchmal zerstreut und vergessen den Topf
auf dem Herd. Demenz-Erkrankte vergessen aber nicht nur den
Topf auf dem Herd, sondern unter Umständen sogar, dass sie gekocht
haben.
-
Sprachprobleme: Die meisten von uns haben hin und wieder Schwierigkeiten,
die richtigen Worte zu fi nden. Doch Menschen mit Demenz fallen
oft selbst einfache Worte nicht mehr ein, stattdessen verwenden
sie unpassende Begriffe. Dadurch wird ihre Sprache schwer verständlich.
-
Räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme: Bei vielen
Menschen kommt es manchmal vor, dass sie Wochentage vergessen
oder sich in einer fremden Umgebung verlaufen. Dagegen stehen
Menschen mit Demenz in der eigenen Straße und wissen möglicherweise
nicht mehr, wo sie sind, wie sie dorthin gekommen sind und wie
sie wieder nach Hause gelangen.
-
Eingeschränkte Urteilsfähigkeit: Nicht immer wählt man die
dem Wetter entsprechende Kleidung. Bei Menschen mit Demenz ist
aber die gewählte Kleidung manchmal völlig unangebracht. So
tragen sie z. B. einen Bademantel beim Einkaufen oder einen
Winterpulli an einem heißen Sommertag.
-
Probleme mit abstraktem Denken: Für viele Menschen ist es
eine Herausforderung, ein Konto zu führen. Menschen mit Demenz
können aber oft weder Zahlen einordnen noch einfache Rechnungen
durchführen.
|Scham und Trauer|
Zu Beginn der Erkrankung merken
die Betroffenen meist sehr genau,
dass mit ihnen etwas nicht stimmt.
Aus Scham versuchen sie, ihre
Einschränkungen zu verbergen. Die
ständige Überforderung führt jedoch
zu Misserfolgen und beeinträchtigt
das seelische Wohlbefinden.
-
Liegenlassen von Gegenständen: Fast jeder verlegt mal den
Schlüssel oder das Portemonnaie. Bei Demenz-Erkrankten kommt
es jedoch vor, dass sie Gegenstände an den falschen Platz legen,
wie z. B. Schmuck in den Kühlschrank oder eine Uhr in die Zuckerdose.
Im Nachhinein wissen sie nicht mehr, wohin sie die Gegenstände
gelegt haben.
-
Stimmungs- und Verhaltensänderungen: Stimmungsänderungen kommen
bei allen Menschen vor. Menschen mit Demenz können aber in ihrer
Stimmung sehr abrupt schwanken, oft ohne erkennbaren Grund.
-
Persönlichkeitsänderungen: Im Alter verändert sich bei vielen
Menschen die Persönlichkeit ein wenig. Bei Menschen mit Demenz
kann jedoch eine sehr ausgeprägte Persönlichkeitsänderung plötzlich
oder über einen längeren Zeitraum hinweg auftreten. Jemand,
der normalerweise freundlich ist, wird z. B. unerwartet ärgerlich,
eifersüchtig oder ängstlich.
Wie erleben Patienten erste Krankheitsanzeichen?
Zu Beginn der Erkrankung erkennen Betroffene meist selbst die eigenen
Leistungsdefizite. Vor allem bemerken sie recht schnell, dass mit
ihrem Gedächtnis und ihrer Sprache „etwas nicht stimmt“. Sie sind
davon in der Regel peinlich berührt, gebrauchen Ausreden und versuchen,
solche Defi zite vor Bekannten, Freunden und sogar den Angehörigen
zu verbergen.
Doch noch schmerzlicher und beschämender als die Gedächtnisstörungen
empfi nden Alzheimer-Patienten im fortgeschrittenen
Stadium ihrer Erkrankung den Verlust ihrer Fähigkeit,
alltägliche Probleme zu lösen und eigenverantwortlich zu
handeln. Die zunehmende Abhängigkeit von Angehörigen
und Freunden ruft bei vielen Patienten das Gefühl hervor,
nur noch ein nutzloser Ballast zu sein.
Was können Angehörige tun?
Wenn Sie als Angehöriger feststellen, dass eine nahestehende Person
immer vergesslicher wird, wichtige Dinge verlegt und Schwierigkeiten
hat, sich zu orientieren, sollten Sie besonders aufmerksam sein
und diese Gedächtnisstörungen und Verhaltensauffälligkeiten genau
beobachten. Eine Aufzählung von frühen Symptomen (siehe Liste oben)
kann Ihnen dabei helfen.
Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Partner oder mit Familienangehörigen
zu reden, wenn Sie meinen, tatsächlich erste
Warnsymptome entdeckt zu haben. Möglicherweise ist Ihnen
der Betroffene sogar dankbar, da er nun mit dem anstrengenden
Versteckspiel aufhören kann. Jetzt beginnt der
schwierigste Teil: Sie sollten ihn davon überzeugen, so früh
wie möglich ärztlichen Rat einzuholen. Begleiten Sie ihn zum
Arzt und versuchen Sie, auf seine Gefühle einzugehen. Stellt
der Arzt dennoch fest, dass es sich nur um eine „normale Alterserscheinung“
handelt, ist dieses Wissen für alle Beteiligten
sehr beruhigend.
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