Montag, 11.12.2017   

Alzheimer erkennen

|Gemeinsam stark sein|
Wurde erst einmal die Krankheit diagnostiziert, stellt sich oftmals bei Betroffenen und Angehörigen Erleichterung ein. Das unsichere Gefühl, nicht zu wissen, was „los ist“, fällt von ihnen ab. Gemeinsam können sie nun lernen, die Erkrankung als Teil ihres künftigen Lebens zu akzeptieren.

Keine Zeit verlieren

„Nicht ganz richtig im Kopf zu sein ...“, das will sich niemand gern eingestehen, weder die Betroffenen selbst noch ihre Angehörigen. Der Arztbesuch wird deshalb häufig hinausgezögert und es vergehen meist mehrere Jahre, bis die Diagnose gestellt wird. Die Alzheimer-Demenz ist dann in der Regel so weit fortgeschritten, dass die geistigen und damit alltäglichen Defizite bereits deutlich ausgeprägt sind.

Mit dem Fortschreiten der Erkrankung nimmt die Aufnahmefähigkeit immer weiter ab und es wird zunehmend schwerer, Neues zu erlernen. Wer sich jedoch frühzeitig mit seiner Erkrankung auseinandersetzt und vertraut macht, hat die Chance, über seine eigene Zukunft und die seiner Familie selbst zu entscheiden. Doch viel wichtiger ist: Betroffenen und Angehörigen verbleibt wertvolle Zeit, die sie miteinander verbringen können.

Hinzu kommt: Je früher Alzheimer-Patienten mit speziellen medikamentösen Therapien und begleitenden Maßnahmen beginnen, desto länger kann der geistige Verfall verzögert werden. Die Betroffenen sind im anfänglichen Stadium der Erkrankung noch in der Lage, persönliche Dinge, aber auch Angelegenheiten, die ihre weitere Zukunft betreffen, selbstbestimmt zu regeln.

|Depression oder Demenz?|
Während depressive Patienten gleichbleibend bedrückt sind, leiden Alzheimer-Kranke eher unter Stimmungsschwankungen.

Erste Anzeichen erkennen

Die Alzheimer-Krankheit beginnt schleichend und fast unmerklich: Zunächst treten leichte Gedächtnisstörungen auf, die im Verlauf der Erkrankung zunehmen. Hinzu kommen Orientierungsprobleme, Sprachstörungen sowie der fortschreitende Verlust von Auffassungsgabe und Urteilsvermögen. Schließlich können Alzheimer-Patienten selbst einfachste Tätigkeiten wie das An- und Auskleiden nicht mehr selbstständig durchführen. Um bereits in einem frühen Stadium einzugreifen und damit den Krankheitsverlauf zu verzögern, ist es wichtig, erste Symptome zu erkennen und einordnen zu können.

Altersvergesslichkeit oder Alzheimer-Demenz?

Umgangssprachlich bezeichnen wir Vergesslichkeit schon einmal mit „Alzheimer“ oder wir sagen: „Jetzt fängt bei mir schon Alzheimer an.“ Doch häufig handelt es sich lediglich um eine „normale“ Altersvergesslichkeit. Anhand einiger weniger Fragen ist es bereits möglich, diese von einer Alzheimer-Demenz abzugrenzen (siehe Tabelle).

Sind Betroffene und Angehörige bei der Beantwortung einzelner Fragen jedoch unsicher, sollten sie umgehend einen Arzt aufsuchen.

Spricht für Altersvergesslichkeit

Spricht für Alzheimer-Demenz

Vergesslichkeit tritt nur vorübergehend auf Die Vergesslichkeit dauert an und wird sogar zunehmend schlimmer
Das Verlegen oder Vergessen von alltäglichen Gegenständen, wie z. B. Brille oder Geldbörse, tritt nur gelegentlich auf Das Verlegen und Vergessen, insbesondere von wichtigen Gegenständen, wie z. B. Geldbörse, Ausweis oder Schlüssel, häuft sich
Denkt der Betroffene intensiv nach, fällt ihm das Vergessene meist wieder ein Der Betroffene vergisst ganze Erlebnisse und kann sich trotz intensiven Nachdenkens auch später nicht daran erinnern
Der Betroffene weiß sich durch bestimmte Merkhilfen, wie z. B. einen Notizzettel, zu helfen Selbst Notizzettel und andere Merkhilfen nützen nicht mehr
Der Betroffene kann mündlichen oder schriftlichen Anweisungen folgen Der Betroffene kann mündlichen oder schriftlichen Anweisungen nicht folgen
Der Betroffene hält seine sozialen Kontakte aufrecht Häufig ziehen sich die Betroffenen aus ihrem sozialen Umfeld zurück

Steckt dahinter eine Depression?

Da auch bei Depressionen häufi g die geistige Leistungsfähigkeit der Betroffenen herabgesetzt ist, können sie leicht mit einer Alzheimer-Demenz verwechselt werden. Ärzte sprechen deshalb auch von einer Pseudo-Demenz. Im Unterschied zu Alzheimer-Kranken können sich depressive Patienten allerdings meist genau an den Beginn ihrer Symptome erinnern. Zudem beklagen sie ihre Leistungsdefi zite eher in übertriebener Weise, anstatt sie herunterzuspielen.

Frühe Symptome einer Alzheimer-Demenz

Erste Anzeichen einer Alzheimer-Demenz sind von Patient zu Patient mitunter sehr unterschiedlich, da die Erkrankung von verschiedenen Regionen des Gehirns ausgehen kann. Dennoch gibt es eine Reihe charakteristischer Warnsymptome, bei denen Angehörige aufmerksam werden sollten.

  • Dauerhafte und fortschreitende Gedächtnislücken:

    Jeder hat mit zunehmendem Alter hin und wieder Gedächtnislücken. Häufen sich diese Vorfälle und treten außerdem unerklärliche Verwirrtheitszustände auf, kann dies ein Zeichen für eine Verminderung der Gedächtnisleistung sein.
  • Schwierigkeiten mit gewohnten Handlungen:

    Menschen, die viel zu tun haben, sind manchmal zerstreut und vergessen den Topf auf dem Herd. Demenz-Erkrankte vergessen aber nicht nur den Topf auf dem Herd, sondern unter Umständen sogar, dass sie gekocht haben.
  • Sprachprobleme:

    Die meisten von uns haben hin und wieder Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu fi nden. Doch Menschen mit Demenz fallen oft selbst einfache Worte nicht mehr ein, stattdessen verwenden sie unpassende Begriffe. Dadurch wird ihre Sprache schwer verständlich.
  • Räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme:

    Bei vielen Menschen kommt es manchmal vor, dass sie Wochentage vergessen oder sich in einer fremden Umgebung verlaufen. Dagegen stehen Menschen mit Demenz in der eigenen Straße und wissen möglicherweise nicht mehr, wo sie sind, wie sie dorthin gekommen sind und wie sie wieder nach Hause gelangen.
  • Eingeschränkte Urteilsfähigkeit:

    Nicht immer wählt man die dem Wetter entsprechende Kleidung. Bei Menschen mit Demenz ist aber die gewählte Kleidung manchmal völlig unangebracht. So tragen sie z. B. einen Bademantel beim Einkaufen oder einen Winterpulli an einem heißen Sommertag.
  • Probleme mit abstraktem Denken:

    Für viele Menschen ist es eine Herausforderung, ein Konto zu führen. Menschen mit Demenz können aber oft weder Zahlen einordnen noch einfache Rechnungen durchführen.
  • |Scham und Trauer|
    Zu Beginn der Erkrankung merken die Betroffenen meist sehr genau, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Aus Scham versuchen sie, ihre Einschränkungen zu verbergen. Die ständige Überforderung führt jedoch zu Misserfolgen und beeinträchtigt das seelische Wohlbefinden.
  • Liegenlassen von Gegenständen:

    Fast jeder verlegt mal den Schlüssel oder das Portemonnaie. Bei Demenz-Erkrankten kommt es jedoch vor, dass sie Gegenstände an den falschen Platz legen, wie z. B. Schmuck in den Kühlschrank oder eine Uhr in die Zuckerdose. Im Nachhinein wissen sie nicht mehr, wohin sie die Gegenstände gelegt haben.
  • Stimmungs- und Verhaltensänderungen:

    Stimmungsänderungen kommen bei allen Menschen vor. Menschen mit Demenz können aber in ihrer Stimmung sehr abrupt schwanken, oft ohne erkennbaren Grund.
  • Persönlichkeitsänderungen:

    Im Alter verändert sich bei vielen Menschen die Persönlichkeit ein wenig. Bei Menschen mit Demenz kann jedoch eine sehr ausgeprägte Persönlichkeitsänderung plötzlich oder über einen längeren Zeitraum hinweg auftreten. Jemand, der normalerweise freundlich ist, wird z. B. unerwartet ärgerlich, eifersüchtig oder ängstlich.

Wie erleben Patienten erste Krankheitsanzeichen?

Zu Beginn der Erkrankung erkennen Betroffene meist selbst die eigenen Leistungsdefizite. Vor allem bemerken sie recht schnell, dass mit ihrem Gedächtnis und ihrer Sprache „etwas nicht stimmt“. Sie sind davon in der Regel peinlich berührt, gebrauchen Ausreden und versuchen, solche Defi zite vor Bekannten, Freunden und sogar den Angehörigen zu verbergen.

Doch noch schmerzlicher und beschämender als die Gedächtnisstörungen empfi nden Alzheimer-Patienten im fortgeschrittenen Stadium ihrer Erkrankung den Verlust ihrer Fähigkeit, alltägliche Probleme zu lösen und eigenverantwortlich zu handeln. Die zunehmende Abhängigkeit von Angehörigen und Freunden ruft bei vielen Patienten das Gefühl hervor, nur noch ein nutzloser Ballast zu sein.

Was können Angehörige tun?

Wenn Sie als Angehöriger feststellen, dass eine nahestehende Person immer vergesslicher wird, wichtige Dinge verlegt und Schwierigkeiten hat, sich zu orientieren, sollten Sie besonders aufmerksam sein und diese Gedächtnisstörungen und Verhaltensauffälligkeiten genau beobachten. Eine Aufzählung von frühen Symptomen (siehe Liste oben) kann Ihnen dabei helfen.

Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Partner oder mit Familienangehörigen zu reden, wenn Sie meinen, tatsächlich erste Warnsymptome entdeckt zu haben. Möglicherweise ist Ihnen der Betroffene sogar dankbar, da er nun mit dem anstrengenden Versteckspiel aufhören kann. Jetzt beginnt der schwierigste Teil: Sie sollten ihn davon überzeugen, so früh wie möglich ärztlichen Rat einzuholen. Begleiten Sie ihn zum Arzt und versuchen Sie, auf seine Gefühle einzugehen. Stellt der Arzt dennoch fest, dass es sich nur um eine „normale Alterserscheinung“ handelt, ist dieses Wissen für alle Beteiligten sehr beruhigend.

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