Montag, 11.12.2017   

Wie wird Alzheimer diagnostiziert?

|Überzeugungsarbeit|
In vielen Fällen ist es nicht einfach, die Betroffenen zu einem Arztbesuch zu bewegen, denn sie fühlen sich meist nicht krank. Hilfreich kann es deshalb sein, beim Hausarzt einen Termin zur Routineuntersuchung zu vereinbaren und den Betroffenen dorthin zu begleiten.

Wer kann helfen?

Ob es sich wirklich um Morbus Alzheimer handelt, kann nur der Experte feststellen. Angehörige sollten deshalb bei Verdacht auf Alzheimer nicht zögern, einen Arzt aufzusuchen, um eine sichere Diagnose zu erhalten.

Der Hausarzt als erster Ansprechpartner

Zunächst empfiehlt es sich, den Hausarzt aufzusuchen. Er kennt den Patienten meist schon seit Jahren und kann Veränderungen der Konzentrationsfähigkeit sowie Gedächtnisstörungen am besten feststellen und von den Symptomen einer Alzheimer-Krankheit unterscheiden.

|Vertrauenssache|
Je mehr Vertrauen der Patient und seine Begleitperson zu dem behandelnden Arzt haben, desto leichter fällt es, von bestehenden Problemen zu berichten und Symptome genau zu beschreiben.

Häufig ergeben sich Fragen, die zusätzlich eine Konsultation des Facharztes für Neurologie und Psychiatrie erfordern. So ist dieser zum Beispiel gefragt, wenn es darum geht, zwischen einer Demenz und einer Depression zu unterscheiden oder die vorliegende Demenz-Form zu bestimmen.

Gedächtnissprechstunden

In fast allen größeren Städten gibt es Einrichtungen, die auf die Diagnose und Therapie von Demenz-Krankheiten spezialisiert sind, sogenannte Gedächtnis-Sprechstunden, Gedächtnis-Ambulanzen oder auch Memory-Kliniken. Hier arbeiten erfahrene Fachärzte und Psychologen zusammen. Der betreuende Arzt erörtert die Diagnose in einem ausführlichen Beratungsgespräch mit dem Patienten und seinen Angehörigen und bespricht die Therapiemöglichkeiten. Viele Memory-Kliniken bieten außerdem auch Angehörigen-Selbsthilfegruppen oder Gesprächskreise an.

Am Anfang steht das Gespräch

Als Erstes wird der Arzt mit dem Patienten ein ausführliches Gespräch über seine Krankheitsgeschichte und Biografi e führen. Dadurch erhält er einerseits notwendige Hinweise für die Diagnosestellung, andererseits helfen ihm die Angaben, spätere Testergebnisse richtig einzuordnen. Genauso wichtig ist auch das Gespräch mit den Angehörigen, die durch ihre Schilderungen ebenfalls zur Aufklärung der Krankheit beitragen.

Erkrankungen, die Symptome von Alzheimer vortäuschen

Austrocknung durch zu geringe Flüssigkeitszufuhr
Depressionen
Verschleppte Infektionen
Sauerstoffmangel durch Herz- oder Lungenerkrankung
Unterfunktion der Schilddrüse
Durchblutungsstörungen
Parkinson-Erkrankung

Andere Erkrankungen ausschließen

Hält der Hausarzt aufgrund des Erstgespräches eine Demenz für wahrscheinlich, wird er versuchen, deren Ursache zu klären. Denn hinter Hirnleistungs- und Verhaltensstörungen, wie sie bei Alzheimer-Patienten auftreten, kann auch eine körperliche oder seelische Erkrankung stecken. Um solche Erkrankungen auszuschließen, führt der Arzt eine Reihe von Untersuchungen durch. Dazu gehören umfangreiche Blutuntersuchungen (großes Blutbild, Bestimmung der Blutzuckerwerte und Schilddrüsenhormone), eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs, ein Elektrokardiogramm (EKG) und in vielen Fällen auch eine Elektroenzephalographie (EEG).

Gehirnfunktion systematisch testen

Nachdem der Arzt die Verdachtsdiagnose Demenz gestellt hat, sollen psychologische Testverfahren eine detaillierte Beschreibung der Funktionsstörungen und der verbliebenen Fähigkeiten liefern. Hierbei werden Merkfähigkeit, Kurzzeitgedächtnis, psychomotorische Koordination, Sprache sowie räumliches Vorstellungsvermögen überprüft. Die Ergebnisse helfen dem Arzt, einen maßgeschneiderten Therapieplan aufzustellen.

Die verschiedenen Tests können für die Betroffenen unter Umständen ein wenig beschämend sein, insbesondere wenn sie einfache Aufgaben nicht lösen können. Die Begleitung und psychische Unterstützung durch einen Nahestehenden helfen den Patienten, Angst und Unsicherheit zu überwinden.

  • Uhrzeichentest:

    Beim Uhrzeichentest sollen das Zifferblatt einer Uhr gemalt und die Zeiger auf eine bestimmte Uhrzeit, z. B. auf zehn nach elf, gestellt werden. Jede nicht korrekt dargestellte Uhr verstärkt den Demenz-Verdacht. Hiermit wird die Fähigkeit, abstrakt zu denken, überprüft.
  • DemTect(Demenz-Detektion)-Test:

    Der „DemTect“ besteht aus fünf Untertests. Dazu gehören Wortfl üssigkeitsaufgaben, das Lernen von Wortlisten, die Umwandlung von Zahlen und das Aufsagen von Zahlenlisten in umgekehrter Reihenfolge.
  • |Bilder des Gehirns|
    Mit der Computertomographie können der Aufbau des Gehirns dreidimensional dargestellt und mögliche krankhafte Veränderungen erkannt werden.
  • Mini Mental Status Test:

    Ein kurzer, weit verbreiteter Test, bei dem unter anderem Gedächtnis- und Sprachleistung, Orientierungsvermögen und das Erkennen und Handhaben von Gegenständen geprüft werden. Dieser Test wird auch zur Bestimmung von Veränderungen der Hirnleistungsfunktion im Krankheitsverlauf oder zum Nachweis der Wirkung von Medikamenten genutzt.

Der Blick ins Gehirn

Die moderne Medizin verfügt heute über Untersuchungsmethoden, mit denen das „Innenleben“ des Gehirns sichtbar gemacht werden kann. Der Vorteil: Krankhafte Veränderungen im Gehirn können durch die sogenannten bildgebenden Verfahren wie z. B. die Computer- oder Kernspintomographie bereits zu einem frühen Zeitpunkt erkannt werden – noch bevor der geistige Abbau bemerkbar wird.

Der Arzt ist damit ebenfalls in der Lage, den Schweregrad der Erkrankung zu beurteilen oder zwischen gefäßbedingter Demenz und Alzheimer-Demenz zu unterscheiden. Zudem lassen sich mit diesen Verfahren andere Erkrankungen, wie z. B. Hirntumoren oder Schlaganfälle, ausschließen. Dennoch ist auch mit Hilfe der bildgebenden Verfahren ein direkter Nachweis der Alzheimer-Krankheit nicht möglich.

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